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Es war im Juli 79: Eine vertraute Basslinie, "Good Times" von Chic, wummerte aus dem Radio, immer wieder, 14 Minuten und 34 Sekunden lang. Dazu sprachen drei Typen abwechselnd im rhythmischen Singsang: "With a hip, hop, the hipit, the hipiditpit, hip, hop, hopit, you don't stop..." 

Blosser Party-Blödsinn? Oder "eine Renaissance schwarzer Kreativität", wie es ein US-Journalist in Anspielung auf die Jazz-Ära formulierte? Wahrscheinlich beides. Lagen doch Entertainment, soziale und ästhetische Revolutionen in der afroamerikanischen Community nie weit auseinander. 

Ein DJ aus der Bronx namens Afrika Bambaataa hatte für die in den Ghettos blühende Strassenkultur den Namen "Hip Hop" geprägt. Doch davon wusste damals noch kaum einer der Radiohörer. Ebensowenig, dass die Sugar Hill Gang und ihr "Rapper's Delight" - die erste Rap-Scheibe, die ein Massenpublikum erreichte - bestenfalls an der Oberfläche des Phänomens kratze. Die etablierten Medien taten es als kurzlebige Mode ab: ein schwarzen Spleen wie "Blaxploitation"-Filme oder Afro-Frisuren bestenfalls. 

Zwei Jahrzehnte danach hat sich das einstige Freizeitvergnügen der Ghetto-Kids zum Multimillionen-Dollar-Geschäft gemausert - ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. Rap dominiert die Charts von Nordamerika bis Schweden, von Frankreich bis Südafrika. Zahllose TV-Shows und Kinofilme leben von Hip Hop-Soundtracks. Werbung, Modedesinger und Medien übernehmen seine Sprache und Embleme. Rap-Verleger und Rap-Produzenten wie Russell Simmons, Master P, Suge Knight und Puff Daddy zählen zu den Top-Verdienern der US-Medienindustrie. Nicht mal die Toten im Machtkampf der Kartelle "Eastcoast vs. Westcoast" haben die Erfolgsgeschichte des Hip Hop beeinträchtigen können: Mit den ermordeten Superstars Tupac Shakur und Notorious B.I.G haben Fans und Industrie ihre Märtyrer gefunden, deren letztes Demo nun gewinnbringend als Devotionalie auf den Markt geworfen wird. Da lassen sich die unglamourösen Hip Hop-Ursprünge leicht übersehen. 

Es waren findige schwarze Teenager in Amerikas übelsten Ghetto, der South Bronx, die Mitte der 70er Jahre mit neuen Formen von Musik, Tanz und Kunst experimentierten - ganz ohne Plattenverträge, Promotionen- oder Videobudgets im Rücken. Clive Campell alias Kool Herc war einer von ihnen. Als seine Schwester 1973 noch Musik für ihre Geburtstagsparty brauchte, schloss er im Keller ihres Housing-Projects zwei alte Plattenspieler zusammen, mischte Disco-Platten mit Funk von James Brown, Curtis Mayfield, George Clinton oder den Meters. Am besten ging es allerdings ab, wenn Herc die Break-Teile eines Songs spielte: instrumentale Stellen von besonderer rhythmischer Intensität. Diese Breaks wirkten auf die Tänzer wie ein Orgasmus, das Problem war nur, dass sie zu kurz waren. Herc behob den Mangel: Er benutzte auf jedem der beiden Plattenspieler identische Kopien einer Platte, um zwischen dem gewünschten Break hin und her zu wechseln. Die so gestreckte long-play-Version nannte er Break-Beat: pures Adrenalin für die Zuhörer. 

Bald begann Herc, Platten nur noch wegen ihrer instrumentalen Breaks zu kaufen. DJ Red Albert, welcher kaum eine Herc-Party verpasste, erinnert sich, dass Herc kein richtig guter Mixer war, aber er sammelte Platten jeder Herkunft: Rock'n'Roll, Blues, Jazz, sogar Folk; benutzte aber nur ein winzig kurzes Teil davon, um es dann immer wieder aneinanderzureihen. 

Bei den berüchtigten DJ-Battles in den öffentlichen Parks machte sich Herc zwischen '74 und '75 mit dieser Technik einen Namen. Um mögliche Konkurrenz auszuschalten, hatte er die Label-Aufkleber seiner Platten im Wasserbad aufgelöst, eine Praxis, die in Jamaika schon lange gang und gäbe war. Schliesslich war Clive alias Herc erst ein paar Jahre zuvor mit seinen Eltern aus Kingston in die Bronx gekommen. Rap sollte sollte daher nicht nur von früheren Formen afroamerikanischer Musik wie Funk, Jazz, Rhythm & Blues profitieren, sondern auch von der Vorarbeit jamaikanischer Soundsysteme. Der Kingstoner Produzent King Tubby hatte bereits in den 60er Jahren die sogenannte "Dub-Version" popularisiert: Gesang und einzelne Ton-Spuren wurden ein- und ausgeblendet und schufen so Raum für den rhythmischen Sprechgesang von Toastern wie U-Roy. 

 

 

#-0

12":
die 12 Inch (=Zoll); Durchmesser einer Maxi-Single, hat dieselbe Größe wie  LP, aber eine schnellere Abspielgeschwindigkeit (45 U/Min.); heute hat sie die Abspielgeschwindigkeit 33 U/Min.

7":
7 Inch (= Zoll); Durchmesser der Single-Schallplatte, aufgrund ihrer Größe bei DJs unbeliebt.
 

A
 

B

back spinning:
DJ-Technik, bei der die Platte bei aufliegender Nadel manuell zurückgedreht wird.

battle:
Engl. - Schlacht, Kampf;
bezeichnet die künstlerische Auseinandersetzung innerhalb der HipHop-Bewegung, etwa Freestyle- oder Graffiti-Battle

B-Boy:
Ursprünglich der Breakdancer, heute als allgemeine Bezeichnung für die Angehörigen der HipHop-Bewegung.

Beat:
Engl. - Schlag;
bezeichnet den einzelnen Taktschlag, ein 4/4 Takt besteht also aus vier Beats. Das Tempo eines Stückes wird in Beats Per Minute angegeben und liegen meistens zwischen 80 und 100.

Beatbox:
Gerät zur Beat-Erzeugung. Die Beatbox hat einzelne Beats gespeichert, die beliebig kombiniert und abgespielt werden können.

benztown:
auch stuggitown, gemeint ist Stuttgart

biter:
Eine Person, die Breakdance-Moves, Graffiti Pieces, Rap Styles o.ä. kopiert und als eigene Entwicklungen ausgibt, also ein Schwindler.

block party:
Die ursprünglich von den DJs veranstalteten HipHop-Parties. =>Jam.

blunts:
Tabakblätter zum Selberdrehen  von Kräutermischungen

boasting:
Engl. - angeben, prahlen, auch bragging;
Textgenre im Rap, in dem ein Gegner angegriffen wird. Dem Rapper des Stückes geht es darum, seine Qualitäten in Style, Skillz und Flow  unter Beweis zu stellen.

break:
bezeichnet innerhalb der Rap-Musik Stellen, in denen die Musik reduziert und dadurch die Rap-Stimme hervorgehoben wird.

breakdance:
Tanz der HipHop-Kultur, der durch roboterartige Bewegungen gekennzeichnet ist, und die spektakuläre und akrobatische Form des tänzerischen Scheinwettkampfs. Bekannt geworden ist Breakdance durch die sogenannten Headspins, wenn sich die Tänzer im Kopfstand um ihre Körperlängsachse drehen =>Move.
 

C

chill(en):
Engl. - Mutlosigkeit
Bezeichnet das Nichtstun, (cool) rumhängen.

collabo:
abgeleitet von: collaboration - Zusammenarbeit

cover:
1. Die Fassung einer meist anderen Komposition und manchmal auch der Text eines anderen Künstlers werden von einem neuen Interpreten übernommen.
2. Die Plattenhülle

crew:
Engl. - Gruppe;
bezeichnet den engen Freundeskreis

Crossfader:
Einfachste Form des Mischpults, mit einem Schieberegler, mit dem die beiden Plattenspieler des DJs verbunden werden

Crossover:
Ursprünglich als Bezeichnung für die Verbindung von Rap und Heavy Metall-Musik; steht heute für jede Form von Musik, bei der zwei oder mehrere Stile der Pop-Musik verschmelzen.

cutten:
DJ-Technik, bei der der DJ ein Stück in Teilen neu zusammensetzt und arrangiert.
 
 

D

dancefloor:
Engl. - Tanzfläche;
mit Dancefloor werden die Stile der Pop-Musik bezeichnet, die hauptsächlich als Tanzmusik in den Clubs gespielt werden, also auch HipHop-Musik.

dissing, dissen:
abgeleitet von disrespect - beleidigen, beschimpfen

DJ:
Im Gegensatz zum früheren DJ als Plattenaufleger, sind heutige DJs Musiker, da sie mit ihren Plattenspielern durch Kombination kleinster Sequenzen bereits bestehender Aufnahmen neue Stücke entstehen lassen.
 

E

EP:
= Extended Player, im Gegensatz zur LP sind auf einer EP nur vier bis sechs Stücke enthalten, die Abspielgeschwindigkeit beträgt 33 U/Min.
 

F

Faker:
unrealer hiphopper

Fanzine:
Zeitschrift von und für Fans, meist gedruckt oder in elektronischer Form.

flow:
Engl. - fließen, strömen;
Flow beschreibt das Zusammenspiel von Musik- und Sprechrhythmus; die Worte sollen über den Rhythmus der Musik fließen
 

freestyle:
Engl. - [Sport:] Freistil, Kür;
meint im Rap die freie Improvisation von Reimen und Texten; wichtiger Abschnitt vieler Rap-Konzerte. In der Freestyle-Battle messen sich zwei oder mehrere Rapper im improvisierten Sprach-Wettkampf.
 

G

grafitti:
Abgeleitet von ital. il graffito - das Gekratzte;
bezeichnet ursprünglich alle Formen von Nachrichten auf Wänden, im HipHop: mit Spraydose ausgeführte Schriftzüge auf Wänden; im Stil plakativ, auffallend durch grelle Farben
 

H

homie:
guter Freund

hookline: abgeleitet von hook - Haken;
der Refrain oder eine Sequenz, die immer wieder im Lied vorkommt.
 

I
 

J

jam:
Bezeichnung für eine HipHop-Party
 

K

kolchose
Zusammenschluss eines Teils der Stuttgarter HipHop-Szene, Freundeskreis, Massive Töne, Afrob, DJ Thomilla, 0711-Club und viele Breaker und Sprüher.
 

L

label:
Engl. - Etikett;
bezeichnet eigentlich das Runde Etikett auf den Schallplatten, wird heute allgemein für "Plattenfirma" verwendet.

loop:
Engl. - Schleife;
Begriff aus der Produktionstechnik. Eine melodische oder rhythmische Sequenz wird mit Hilfe des Samplers identisch wiederholt.

LP:
= Longplayer - Langspielplatte.
 

M

MC:
= Master of Ceremony, Engl. - Zeremonienmeister;
ursprüngliche Bezeichnung für die Rapper

MongoClikke:
Grösste HipHop-Posse in Hamburg-City. Dabei sind z.B. Beginner, EinsZwo, Fünf Sterne, Ferris, Doppelkopf...)

N
 

O
 

P

part:
Engl.- Teil, Stück;
der Refrain unterteilt ein Musikstück in mehrere Teile = Parts

pattern:
Engl. - Muster;
bestimmte Sequenz, die in identischer Weise wiederholt wird

piece:
Engl.- Stück, Abschnitt
Aufwendiges und mehrfarbiges Graffiti-Bild, im Gegensatz zum einfachen Tag.

posse:
Engl. - Aufgebot;
bezeichnet den erweiterten Freundeskreis eines HipHops, im Gegensatz zur crew.

props:
Engl. - Stütze(n)
bedeutet Respekt.
 

Q
 

R

remix:
Musikalische Neuinterpretation eines bereits auf Platte veröffentlichten Stückes. Dem Remix- DJ oder Produzenten wird dafür das ursprüngliche Stück als Mehrspuraufnahme zur Verfügung gestellt.
 

S

sample:
Engl. - Probe, Muster;
einzelne Sequenz, die von einer anderen Platte übernommen wurde.

scratching:
Engl. - kratzen;
DJ-Technik, durch rhythmisches Vorwärts- und Rückwärtsbewegen der Platte bei aufliegender Nadel wird ein vom Rhythmus geprägtes Geräusch erzeugt.

skills:
Abgeleitet von skill, engl. - Kunstfertigkeit, Können, Gewandtheit;
bezeichnet die besonders ausgefeilte Art, Frequenz und Anordnung der Reime.

style:
Engl. - Stil, Ausdrucksweise
bezeichnet die individuelle Gestaltung und Darbietung eines Raps. Neben der formalen Gestaltung spielen die Art des Vortrags und die Ausstrahlung des Rappers eine wichtige Rolle. Style ist also nicht mit Sprachstil zu übersetzen.
 

T

tag:
Das einfache, hinterlassene Pseudonym des Writers.

track:
Engl. - Spur;
bezeichnete ursprünglich nur die einzelne Tonspur, heute steht Track oft für ein ganzes Musikstück.
 

U
 

V

VJ:
"video jockey" = Moderator eines Musikkanals. Er zeigt der VJ Musikvideos im Fernsehen.

W

Weed:
HipHop-Übliche Bezeichnung für Gras

Wigger:
Schimpfwort für Weisser

Writer:
Graffiti-Sprüher; der Name des Sprühers wird möglichst auffällig an öffentlichen Plätzen an die Wand geschrieben.

 



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